Menschlich.Empathisch.Solidarisch
Mitglied des 21. Deutschen Bundestages, Für den Börde-Salzlandkreis (WK 67) SachseN-Anhalt
Menschlich.Empathisch.Solidarisch
Mitglied des 21. Deutschen Bundestages, Für den Börde-Salzlandkreis (WK 67) SachseN-Anhalt
Am 13. August 2025 ging es für mich nach Stendal. Dort wurde ich herzlich von Bernd Zücher empfangen, dem Koordinator des Vereins „Die Kunstplatte e.V..“ Bernd Zücher gab mir einen ersten Einblick in die Arbeit des Vereins und führte mich durch die Räume der Kunstplatte und das Stadtteilbüro „Plattenspieler“ in einem zurückgebauten Plattenbau. Gemeinsam mit Bernd Zücher und Franziska Bredow vom „Stendaler Fernsehen Offener Kanal e.V.“ haben wir anschließend lange über die Geschichte des Vereins, aktuelle Angebote und Projekte, aber auch über Herausforderungen und Zukunftswünsche gesprochen.
Besonders beeindruckt hat mich, wie vielseitig das Angebot der Kunstplatte ist: Neben Tanzkursen, Yoga und Seniorensport gibt es auch mobile Projekte, die Kultur bis in die Dörfer und ländlichen Regionen bringen. Zudem werden gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen eigene Theaterstücke und Musicals entwickelt und auf die Bühne gebracht. Das ist ein riesiger Gewinn für die kulturelle Vielfalt vor Ort.
Herr Zücher machte deutlich, dass die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Akteur:innen einen entscheidenden Teil ihrer Arbeit ausmacht, denn nur so lässt sich ein breites Spektrum an Projekten und Angeboten bereitstellen. Die Kunstplatte versteht sich, gerade auch mit Gründung des Stadtteilbüros, nicht nur als Kulturverein, sondern als lebendiges soziokulturelles Zentrum: ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, unabhängig von Alter, sozialem Hintergrund oder Herkunft. Hier entstehen nicht nur eigene, selbst organisierte Angebote, sondern außenstehenden Vereinen und Gruppen haben die Möglichkeit, sich hier regelmäßig treffen zu können.
Am 21. Juli 2025 hatte ich die große Freude, die feierliche Eröffnung des 13. Internationalen Sommercampus der Künstlerstadt Kalbe mitzuerleben. Im Kulturhof Kalbe wurden wir von Corinna Köbele, der Vorstandsvorsitzenden des Vereins „Künstlerstadt-Kalbe e.V.“, herzlich begrüßt. Frau Köbele stellte uns den „Internationale Sommercampus“ vor und beschrieb ihn als einen ganz besonderen Ort, an dem Kunst- und Kulturakteur:innen aus aller Welt zusammenkommen, um kreativ zu sein und sich gegenseitig zu inspirieren.
Es ist beeindruckend zu sehen, wie aus ehemals leerstehenden Gebäuden und Höfen, die lange Zeit ungenutzt waren, durch das Engagement des Vereins eine lebendige Atmosphäre von Kunst, Kultur und Gemeinschaft entstanden ist. Corinna Köbele hat dabei ganz klar die Bedeutung politischer Unterstützung hervorgehoben. Ohne diese ist es kaum möglich, neue Kulturprojekte anzustoßen oder bereits bestehende nachhaltig zu fördern und weiterzuentwickeln.
Im Anschluss sprach Frau Staatssekretärin Stefanie Pötzsch, die deutlich machte, wie sehr Kunst und Kultur den Tourismus stärken und zugleich zur wirtschaftlichen Entwicklung sowie Lebensqualität in unserer Region beitragen. Gute Kunst- und Kulturangebote sind ein wesentlicher Faktor dafür, dass Regionen dauerhaft attraktiv zum Leben, Arbeiten und Besuchen bleiben.
Als Kulturpolitiker und jemand, der selbst mitten im Kulturbereich beheimatet ist, wurde mir anschließend die Ehre zuteil, einige Worte zu sprechen. Für mich ist Kultur weit mehr als ein flüchtiges Ereignis. Sie ist ein sozialer Akt, der Menschen zusammenbringt, der es ermöglicht, gemeinsam etwas zu schaffen, wirkungsvoll zu sein und im Austausch sowie Diskurs unser gegenseitiges Verständnis zu vertiefen. Gerade heute, in einer Zeit, in der die Gesellschaft oft gespalten erscheint, ist Kultur ein unverzichtbares Bindeglied, das Solidarität fördert und damit Hass und Hetze keinen Raum lässt.
Frau Köbele schloss mit einem eindringlichen Appell: Es ist wichtig, vorhandene Räume zu nutzen, alte Gemäuer mit neuem Leben zu füllen und das Potential in diesen Räumen für neue Ideen zu begreifen. Doch dies kann nicht nur auf dem Rücken von ehrenamtlichen Mitarbeitenden geschehen, es benötigt hauptamtliche Akteur:innen, die solche Projekte am Leben erhalten und zukunftsweisend weiterdenken.
Dieses Jahr leben und wirken 24 junge Stipendiat:innen aus zwölf verschiedenen Ländern sechs Wochen lang in der Künstlerstadt Kalbe. Sie füllen die Räume mit ihren vielfältigen Kunstprojekten – von Textilarbeiten über Keramik, Draht und Gips bis hin zu Tanz und Videokunst. Wer möchte, kann ihren kreativen Schaffensprozess jeden Samstag bei den offenen Atelierrundgängen hautnah miterleben.

Am 03. Juli führte mich mein Weg in die Gemeinde Ummendorf (Landkreis Börde), um genau zu sein auf die Burg Ummendorf, wo sich das Bördemuseum befindet. Der Grund für meinen Besuch war ein Antrittsgespräch im Rahmen meines Mandats: Als Mitglied und Obmann im Kulturausschuss liegt mir die Arbeit und die Situation kommunaler Kultureinrichtungen besonders am Herzen. Vor Ort wurde ich herzlich von der Museumsleiterin, Frau Dr. Nadine Panteleon, empfangen. Im Gespräch mit ihr tauschte ich mich über ihre tägliche Arbeit, die personellen Herausforderungen und die aktuellen Restitutionsentwürfe der Bundesregierung aus.
„Kultur muss vor Ort stattfinden.“
Dr. Nadine Panteleon (Museumsleiterin)
Im Gespräch wurde für mich besonders deutlich, wie wichtig es ist, Kultur gerade auch im ländlichen Raum lebendig und vor Ort erlebbar zu machen. Kultur muss analog und für die Menschen in ihrer direkten Umgebung zugänglich sein. Als Abgeordneter aus dem ländlichen Raum liegt mir das ganz besonders am Herzen. Leider sind kommunal betriebene Kultureinrichtungen oft die ersten, bei denen der Kürzungshammer fällt und die unter den Haushaltskürzungen leiden. Ebenso entscheidend wie der Zugang zur Kultur, ist natürlich auch das Personal. Gerade bei Museen ist jedoch die Personaldecke recht dünn, obwohl hier umfangreiche Aufgaben anfallen: Ausstellungen gestalten, Angebote entwickeln und Wissen vermitteln. Dafür braucht es ausreichend Personal, welches gut und fair bezahlt werden muss. Mit Frau Dr. Panteleon konnte ich außerdem über den Schutz von Kulturgütern in Krisen- und Katastrophenzeiten sowie den Umgang mit Restitutionsforderungen intensiv gesprochen. Zum Abschluss durfte ich das gesamte Museum besichtigen, inklusive des Burgturms. Der Umfang und die bedeutende kulturelle Arbeit, die hinter dem Museum steht, ist wirklich beeindruckend.

im Gespräch mit Dr. Nadine Panteleon
Foto: Tim Biermordt

Ausblick aus dem Bergturm
Foto: Tim Biermordt

"Prägt die Börde die Menschen?"
Foto: Tim Biermordt

im Gespräch mit Dr. Nadine Panteleon
Foto: Tim Biermordt
Nach meinem Besuch im Bördemuseum führte mich mein Weg weiter nach Oschersleben, wo ich im Jugendclub „TREFF“ Gelegenheit zu einem Gespräch mit der Leiterin Janet Müller hatte. Dabei sprachen wir ausführlich über die Angebotsstruktur, die demografischen Zielgruppen und die Finanzierung des Clubs ausgetauscht. Jugendclubs wie dieser verschwinden im ländlichen Raum zunehmend. Da Freizeiteinrichtungen zu den freiwilligen Aufgaben der Kommunen gehören, wird meist genau da der Rotstift zuerst angesetzt. Das Gespräch hat mir sehr deutlich vor Augen geführt, wie unverzichtbar solche Begegnungsorte gerade für Kinder und Jugendliche sind. Es ist mir deshalb ein besonderes Anliegen, dass Einrichtungen wie der Jugendclub „TREFF“ in unserer Region langfristig erhalten bleiben und weiter gestärkt werden.
Frau Müller berichtete mir von ihrer Vielzahl an Projekten, die sie das gesamte Jahr über hinweg organisiert – von Kinderdiscos über sportliche Aktivitäten bis hin zu kreativen Freizeitangeboten. Dabei ist es eine große Herausforderung, all diese Arbeit personell zu bewältigen. Zum Glück kann sie auf ein großes Netzwerk engagierter Ehrenamtlicher bauen. Für deren engagierte und unersetzliche Arbeit mit den heranwachsenden Generationen bin ich allen Ehren- und Hauptamtlichen des Jugendclubs von tiefstem Herzen dankbar.
Gerade im Bereich Kinder- und Jugendpolitik besteht großer Nachholbedarf. Das muss sich ändern! Außerdem muss endlich ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass gutes Personal keine Selbstverständlichkeit ist und dieses fair bezahlt werden muss.
Beide Termine am 03. Juli haben mir eindrucksvoll gezeigt, welch wertvolle Arbeit die Einrichtungen auf ihre ganz eigene Weise leisten. Mit dem dort gewonnen neuen Wissen fahre ich nach der Sommerpause wieder zurück ins politische Berlin.

im Gespräch mit Janet Müller (Leiterin des Jugendclubs TREFF)
Foto: Tim Biermordt
Am 01. Juli führt mich mein Weg in eine ganz besondere Stadt, denn einmal jährlich für zwei Wochen entsteht auf dem Gelände der Stiftung Evangelische Jugendhilfe die Kinderstadt Bärenhausen. Also eine Stadt innerhalb der Stadt Bernburg (Saale), mit dem Unterschied, dass Bärenhausen ausschließlich von Kindern verwaltet und unterhalten wird. Von der/dem Bürgermeister:in, über die Versicherung bis hin zum/zur Kosmetiker:in können Kinder hier verschiedene Berufe ausüben. Die Arbeitsstellen nennt man in Bärenhausen übrigens Gewerke. Für ihre geleistete Arbeit bekommen die Kinder von der Lohnstelle sogenannte „Tatzen“ ausgezahlt. Diese Tatzen bilden die eigene Währung der Stadt, womit sich die Kinder in der Kaufhalle, an der Smoothie-Bar oder im Candy-Shop etwas kaufen können. Die Projektkoordinatorin Luisa Liebefinke führte mich über das Gelände und erklärt mir alles Wichtige zu Bärenhausen. Das Projekt wird in Bernburg bereits seit 2008 durchgeführt und jährlich angepasst. Das Ziel ist, den Kindern demokratische Partizipation und ein Gefühl für das Arbeitsleben zu entwickeln. Erstmals in diesem Jahr wurde wohl auch der frischgewählte Bürgermeister nach einem Skandal abgewählt und ein Nachfolger in das Amt gewählt.
Für mich war dieser Besuch ein ganz spannender und für mich steht fest, dass ich nächstes Jahr zur Eröffnung wiederkommen werde.

Kulturamt der Kinderstadt Bärenhausen
Foto: Tim Biermordt

im Gespräch mit den Projektleiterinnen
Sarina Voigt und Luisa Liebefinke (v.l.)
Foto: Tim Biermordt

Organisationszelt der Kinderstadt Bärenhausen
Foto: Tim Biermordt

im Gespräch mit Luisa Liebefinke
Foto: Tim Biermordt
Liebe Freunde, liebe Sympathisanten, liebe Gewerkschafter, liebe Genossinnen und Genossen, liebe Gäste, liebe Mitstreitende,
ich danke euch allen für euer Erscheinen, ich danke herzlichst den Organisatoren des heutigen Festes, ich möchte aber auch meinen Dank und meinen großen Respekt all jenen gegenüber zum Ausdruck bringen, die sich täglich und unermüdlich gegen die drei Übel unserer Zeit, gegen Ungerechtigkeit, gegen Rechtsextremismus und gegen Krieg engagieren. Dieses zivilgesellschaftliche Engagement ist wichtiger und notwendiger denn je. Denn es werden immer mehr. Die Armut, die Prozente und somit die Zustimmung in der Bevölkerung zu den Braunblauen der AfD sowie die Ausgaben für Rüstungsgüter wachsen stetig, aber rasch an. Die Aussicht auf ein Ende dieses Aufwuchses rückt jeden Tag weiter in die Ferne. Hierbei einen Zusammenhang herzustellen, fällt insbesondere mit Blick auf unsere Geschichte nicht sonderlich schwer. Aber das weltweite Erstarken reaktionärer im Gleichschritt der Überzeugung, dass allein das Recht des Stärkeren gilt, marschierender Kräfte, jene Greatest Friedensdealer, Kriegstreiber, sich global vernetzende Faschisten, Milliardäre und Autokraten, zeichnet eine vollkommen neue Dimension, auf die zu antworten wir in der Pflicht stehen. Wir können uns nicht aus dem Zusammenhang nehmen; wir müssen unsere Stimmen erheben wider das Unrecht, und das laut! Denn sie nehmen sich so lange, was sie wollen, solange wir sie lassen. Das muss ein Ende haben.
Denn sie wächst und wächst, die Quote der von Armut betroffenen Menschen in unserem Land. Dadurch werden immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft geschwächt und ihrer Teilhabe beraubt. Um 1,1 Prozentpunkte ist im Vergleich zum Vorjahr die Armutsquote im bundesweiten Durchschnitt auf 15,5 % der Bevölkerung angestiegen; satte 22,3 % der Menschen in Sachsen-Anhalt sind laut dem am 29. April 2025 vom Paritätischen Gesamtverband vorgelegten Armutsbericht von Armut betroffen – das ist jede fünfte Sachsen-Anhalterin, jeder fünfte Sachsen-Anhalter. Im Vergleich aller Bundesländer ist lediglich das Land Bremen noch ärmer dran als wir. Besonders gefährdet sind Alleinerziehende, junge Erwachsene und Rentnerinnen und Rentner, wobei vornehmlich Frauen von Altersarmut betroffen sind. 13 Millionen von Armut betroffene Menschen stehen 1,6 Millionen Millionärinnen und Millionären gegenüber. Während Dax-Vorstände im Durchschnitt 475 000 € verdienen, im Monat, liegt das monatliche Einkommen jeder zehnten Familie mit zwei Kindern bei oder weniger als 3 453 €.
Während die Superreichen ihren schon nicht mehr fassbaren Reichtum unaufhörlich mehren – der nicht einfach so entsteht, schon gar nicht durch ehrliche Arbeit, sondern durch die Aufrechterhaltung und weitergehende Zementierung des ausbeuterischen Systems – werden die Ärmeren immer ärmer. Der Kaufkraftverlust der vergangenen Jahre verschärft die ohnehin hoch prekäre und krisenbedingte Lage der Millionen von Armut Betroffenen. Ein Blick in die Geschichte zeigt, das ist keine neue Entwicklung. Ich zitiere einen 29 Jahre alten Bergarbeiter aus dem Jahr 1926: „Ich betrachte das Leben nur als Scheinsache, da wir täglich erkennen müssen, daß durch vom Krieg verursache, wirtschaftliche Not nur das mindeste zum Leben übrigbleibt, währenddessen sich das Kapital dauernd vergrößert.“ (S. 123) Heute, fast 100 Jahre später, in einem Land, in dem niemand mehr, im Gegensatz zu so vielen auf der Welt, die in der Lebenslotterie kein Glück gehabt haben, verhungern, aus dem niemand mehr vor Krieg, Gewalt und Verfolgung fliehen muss, können sich 5,2 Millionen Menschen – darunter 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche sowie 1,2 Millionen Vollzeiterwerbstätige – es sich nicht leisten, ihre Wohnung warm zu halten noch alte Kleidung zu ersetzen, wie der Paritätische in seinem Bericht schreibt. Das ist ein absolutes politisches Versagen.
Herr Merz, nehmen Sie sich ein Herz. Unterstützen Sie bspw. die SPD dabei, zu ihren Wurzeln zurückzukehren. Schaffen Sie eine wirkliche Politikwende und verhelfen Sie Millionen von Menschen zu ihrem Recht, lassen Sie ihnen echte Solidarität zukommen. Kümmern Sie sich verdammt noch einmal um die Menschen in unserem Land, die keinen Bock haben, sich von Ihnen auch noch als Sozialschmarotzer beschimpfen zu lassen, im Wissen darum, dass Sie, Herr Merz, dieses System mittragen, das die Menschen in ihrer Abhängigkeit belässt; die keinen Bock haben, am Rockzipfel der Reichen zu hängen und um Krumen zu bitten, ob Brot oder Kuchen – die Menschen haben den Respekt verdient, ganz einfach, weil sie Menschen sind! Herr Merz, Sie wollen Veränderung, Sie wollen wirtschaftliche Stärke? Dann sorgen Sie dafür, dass die Menschen für ihre Arbeit anständig bezahlt werden. Heben Sie den Mindestlohn auf 15 € und im kommenden Jahr auf 16 €! Erkennen Sie Leistung an und sorgen Sie dort für Entlastung, wo sie dringend benötigt wird, bei den Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen; besteuern Sie leistungslose Einkommen, also Erben von Millionenvermögen, entsprechend! Erheben Sie eine Vermögensteuer! Bitten Sie die Milliardäre zur Kasse, die im Übrigen unser aller Lebensgrundlage mit ihrem verschwenderischen Lebensstil zerstören! Schaffen Sie verdammt noch einmal die Armut in diesem Lande ab! Damit würden Sie in die Geschichte eingehen.
Andernfalls werden Sie lediglich der Kanzler sein, von dem die Geschichtsbücher der Zukunft schreiben werden, dass er den Faschisten, 80 Jahre nach der Befreiung, wieder zur Macht verholfen hat. Denn das wird passieren. Sie schleifen so ungehörig an ihrer Brandmauer. Sie wollen die AfD inhaltlich stellen? Indem Sie sie kopieren? - Davor habe ich Angst. Ich habe Angst davor, dass die Union – welch ein Wort, Union, Vereinigung, ein Treppenwitz – den Rechten verhilft, Recht auszuüben, in dem sie Minderheiten jedes Recht absprechen. Tritt das ein, dann sind wir alle um den Schlaf gebracht.
Wenn ich nun schon heimlich Heinrich Heine zitiere, so lasst mich kurz perspektivisch auf die uns bevorstehende Kulturpolitik schauen. Die Süddeutsche Zeitung titelte zur Bekanntgabe des designierten Kulturstaatsministers „Einlochen am Tegernsee“. Wenn das kein Trumpmoment ist. Merz hat also seinem Golfkumpel und Nachbarn am Tegernsee – eine der reichsten Regionen Deutschlands –, den Publizisten und Mitbegründer des rechtskonservativen Politmagazins „Cicero“ Wolfram Weimer zu einem Staatsministerposten verholfen. Klüngelling, jetzt kommt der Wolfram dran. Da kommen sie gekrochen aus ihren Höhlen der Vergangenheit, die alte Riege konservativer weißer Männer. Weimer, der in seinem 2018 erschienenen „konservativen Manifest“ sich mit Blick auf die Demografie um die Fortdauer des eigenen Blutes sorgt und die biologische Selbstaufgabe Europas beklagt, der zudem bedauere, wie Jürgen Kaube in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung feststellt, dass Europa keine Expansionskraft mehr habe; der im Jahr 2013 in der Schweizer Woche festgestellt hat, dass der Taufschein die Eintrittskarte in die europäische Kultur sei, worauf ihm mit einer Zeile aus einem Brief Heinrich Heines an Moses Moser vom 9. Januar 1826 zu antworten wäre – ich zitiere –: „Ich bereue sehr daß ich mich getauft hab …“. Weimer hat also auf dem Gebiet der Kultur – von dem es im Koalitionsvertrag verantwortungsvoll heißt: Die kulturelle Teilhabe aller Menschen sei zu gewährleisten – bisher nicht viel beizutragen gehabt, außer den sogenannten Kulturkampf, der stets eine Behauptung rechtsextremer Gedankenverdreher war, nun von Staats wegen als Wahrheit zu legitimieren. Das ist abzulehnen und es lässt für die Kulturnation Deutschland Schlimmes erahnen. Heißt es im Koalitionsvertrag noch Kunst und Kultur seien ein „Leuchtturm“, droht Weimer ihn auf ein Türmchen der Trutzburg konservativer Kräfte zu verzwergen. Das hat mit Kultur nunmehr wenig zu tun.
In der künftigen Bundesregierung werden von nun an erzkonservative und liberale Manager die AG Deutschland managen. Sie werden die Lage verschärfen für all jene Menschen, die bereits seit so vielen Jahren in prekären Verhältnissen leben. Sie werden die Ursachen der momentanen Krise wie bereits geschehen bei den Schwächsten suchen; sie werden dabei moralisieren und uns erzählen, was die Wahrheit ist.
Ich möchte mit Blick auf all jene, die nunmehr zur Zielscheibe konservativer und rechtsextremer Attacken werden oder es Zeit ihres Lebens waren, jene Worte von Martin Luther King mitgeben, die schmerzlich daran erinnern, wie einfach und gleichwohl niederträchtig Diskriminierung funktioniert: „Die Diskriminierung ist ein Höllenhund, der jeden Tag von früh bis spät an den Schwarzen nagt, um sie daran zu erinnern, dass die Mär von ihrer Minderwertigkeit in der sie dominierenden Gesellschaft als die Wahrheit gilt.“
Solidarität beginnt damit, sich in die Lage des Gegenübers zu versetzen, um an dessen Situation teilzuhaben. Erst dann ist tatsächliche Verständigung möglich. Die multikulturelle Gesellschaft ist kein leichtes Untergangen, es erfordert viel Geduld, Dialog und Kompromissbereitschaft. Aber er lohn sich. Der Blick, der Horizont kann nur durch Entdeckungen erweitert werden, nicht durch den Blick auf das ewig Gestrige. Nun aber stehen gerade vor einem globalen Rollback und so bleibt mir abschließend nur daran zu erinnern, dass wir nur gemeinsam in der Lage sein werden, unsere Interessen, die Interessen all jener, die nicht gehört werden sollen, die aber gehört werden müssen, lautstark und wirkmächtig zu vertreten. Uns gegenüber stehen mächtige Verbände. Sie sind aber alle nichts ohne unsere tägliche Arbeitskraft. Sie sind alle nichts, ohne all jene, die mit ihrem ehrenamtlichen Engagement sich für jene einsetzen, die es aus eigener Kraft nicht schaffen, die in der Pflege, in der Schule, in der Werkshalle, im Paketzustellerfahrzeug, im Theater oder in der Universität das Land am Laufen halten. Wir sind der überwiegende Teil der Bevölkerung, lassen wir uns also nichts mehr von dem wegnehmen, was wir erarbeitet haben.
Für eine gerechte Welt. Für eine Welt frei von Hass und Ausgrenzung. Für eine Welt in Frieden. Ich danke herzlich für eure Aufmerksamkeit.

Foto: Tim Biermordt

Rede in Oschersleben
Foto: Tim Biermordt

Veranstaltung in Schönebeck
David Schliesing, Natalie Nagel (Ortsvorstandsmitglied Schönebeck), Eva van Angern (Fraktionsvorsitzende im Landtag Sachsen-Anhalt)
Foto: Tim Biermordt

Eva van Angern im Gespräch mit David Schliesing
Foto: Tim Biermordt
Im Wahlkreis sind Termine vor Ort neben Bürosprechstunden die wichtigsten Möglichkeiten, um mit Menschen im Wahlkreis ins Gespräch zu kommen. Mein Wahlkreis-Team organsiert Treffen mit Bürgerinnen und Bürgern, lokalen Vereinen und sozialen Initiativen. So kann ich Sorgen und Probleme der Bürgerinnen und Bürger in den Bundestag tragen. Diesmal ging es nach Bernburg, Staßfurt und auf das Schloss Hohenerxleben.
In Bernburg begegne ich bei sonnigem Wetter André "Mücke" Möckel. André ist Sozialarbeiter im „Mehrgenerationenhaus“ Bernburg. Es geht um die Finanzierung des Hauses für das laufende Jahr. Er teilt mir mit, dass das MGH von der Stiftung Evangelische Jugendhilfe weniger Geld bekommen würden. Das führe dazu, dass etliche Aufgaben kaum mehr zu stemmen seien. Die Projektvielfalt werde darunter leiden, fürchtet er. Zumindest die Betriebskosten sind mittels Umlageverfahren gedeckt, erfahre ich. Deswegen habe ich ihm versichert, diese Problematik im Bundestag anzusprechen. Nicht zuletzt auch, weil an den Standorten Magdeburg und Köthen eine Art Kinderparlament praktiziert wird, was ich mir anschauen möchte. Nach einer abschließenden Führung durch das Haus, fahre ich am frühen Nachmittag weiter nach Staßfurt.
Dort treffe ich die Friedensinitiative „Staßfurter Weg“. Karl-Heinz Klix, genannt Kalle, erklärt in einem kurzen Einführungsvortrag die politische Arbeit der Initiative. Das Projekt „Stern 2000“ ging der Friedensinitiative voraus. „Stern“ stehe für Solidarität, Toleranz, Entwickeln, Respekt und Neutralität, erzählt mir Kalle. Diese Themen blieben weiterhin wichtig. Jetzt möchten Kalle und die anderen mehr über meine Positionen und über meine politischen Vorhaben im Bundestag erfahren. Friedenspolitik gehört zu meinen Schwerpunkten, bestätige ich. Nach einer spannenden Debatte bedanke ich mich für den Kaffee und die Plätzchen. Kalles Info-Material nehme ich mit für meine Wahlkreisbüros.
Am späten Nachmittag erreiche ich das Schloss „Hohenerxleben“. Eine Kultureinrichtung mit sehr breitem Angebot. Das reicht von Theatervorstellungen und Konzerten über Tagungen und Hochzeiten bis hin zu Kindergeburtstagen. Kinder können Kunst-Kurse besuchen, Erwachsene Yoga-Kurse, berichtet mir Julia Kruder, die künstlerische Leiterin des „Theatrum Ensembles“. Stolz berichtet sie, dass das ansässige Jugendtheater im Oktober ein neues Stück uraufführen werde. Nach ihrer Projektvorstellung moderiert sie durch ein kulturpolitisches Gespräch. Dem eigenem Bekunden zufolge wollte man 1997 aus der Ruine des Schlosses einen „gastfreundlichen Ort für zwischenmenschliche Begegnung schaffen“. Das ist gelungen, wie ich finde. So viel zivilgesellschaftliches Engagement im „Theatrum Ensemble“ begeistert mich. – Ich trete dem Förderkreis bei.
Abschließend kann ich sagen, ich habe an diesem Tag engagierte Menschen getroffen und wichtige Informationen mitgenommen. Insofern freue ich mich auf die kommenden Termine vor Ort im meinem Wahlkreis.
Fotos: Tim Biermordt

Andrè im Gespräch mit mir

Dialog mit der Friedensinitiative "Staßfurter Weg"

Austausch mit Julia Krude
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